Donnerstag, 15. Dezember 2005

Zwiebelsuppenessen

Vergangenen Sonntag war es wieder soweit: Aus den entlegensten Ecken Deutschlands kommend finden sich vier alte Freunde in meinem süddeutschen Zuhause ein, um eine alte Tradition zu pflegen. Vor über 15 (!) Jahren legte meine Mutter - ohne es zu ahnen - den Grundstein dazu, als sie die Eltern der heutigen Teilnehmer samt Nachwuchs zum vorweihnachtlichen Essen einlud. Während die Erwachsenen sich im Esszimmer diversen Genüssen (vermutlich auch alkoholhaltigen Getränken...?) hingaben bekamen wir am separaten Kindertisch überbackene Zwiebelsuppe mit alkoholfreien Katlgetränken serviert. Als wenige Jahre später das bestandene Abitur und der damit verbundene Auszug aus dem Elternhaus uns in alle Winde verstreute, sah ich mich erstmalig gezwungen, mich mit einem Kochrezept samt gutgemeinten mütterlichen Ratschlägen in der neuen Küche auseinanderzusetzen. Weißwein - einer der Hauptbestandteile des Rezepts neben Zwiebeln und Wasser - war mir aus zahlreichen Selbstversuchen durchaus nicht unbekannt, daher glaubte ich mich durchaus in der Lage, das Experiment zu meistern. Erfreulicherweise kann ich berichten, daß sämtliche Beteiligen den ersten (und bisher auch sämtlicher nachfolgenden) Selbstversuch äußerlich unbeschadet überstanden haben. Auch wenn die Zusammensetzung der Zwiebelsuppe im Laufe der Jahre so manche Wandlung durchgemacht hat, ist doch eines unverändert geblieben: vier Menschen, die den Rest des Jahres als Angestellte in der Stadtverwaltung, als Pädagogin, Augenarzt oder Marketingfachmann verbringen, besinnen sich zur Vorweihnachtszeit auf ihre gemeinsame Vergangenheit und freuen sich auch heute noch auf ein paar gemeinsame Stunden, in denen neue Eindrücke und gemeinsame Erinnerungen ausgetauscht werden.

Wie ich erst kürzlich erfahren habe gibt es im weiteren Freundeskreis übrigens ähnliche Modelle, wie beispielsweise das Gemüsesuppenessen (auffälligerweise ist es Suppe, die auch hier verbindet) meines Freundes F., das ebenfalls seit Studentenzeiten jährlich am 2. Weihnachtsfeiertag wiederholt wird.

In diesem Sinne: Es ist noch Suppe da...

Euer Urs Garcon.

Mittwoch, 14. Dezember 2005

....ein Leben im Liegen

...so war der Titel eines Programms von Melitta Sundström. Allerdings hatte sie dabei wohl weniger an die kleine, gemeine Erkältung gedacht, die mich in den vergangenen Tagen zuerst meiner Stimme und dann zunehmend auch der Sinne beraubt hat. Dennoch habe ich zwei Tage lang ihr Motto zu meinem gemacht und das Bett gehütet. Den guten Vorsatz, die Geschäfte vom Bett aus fortzusetzen, mußte ich nach einigen erfolglosen Versuchen, eingehenden Telefonaten den Monologcharakter zu nehmen, mangels Stimme aufgeben. Da ich selbstverständlich wie alle Selbständigen am Arbeitsplatz völlig unersetzlich bin konnte mich nur der Kommentar meines lieben Freundes T. aufheitern, der zu mir sagte: "Mach Dir keine Sorgen, es gibt nichts, was morgen nicht noch dringender wäre als heute."

Diesen Satz, liebe Leser, werde ich ab sofort zu meinem neuen Lebensmotto erklären und erfinde so nebenbei gerade den doppelten Cliffhanger, in dem ich den versprochenen Beitrag über das traditionelle Zwiebelsuppenessen nochmals verschiebe.

In diesem Sinne...
euer Urs Garcon.

Montag, 12. Dezember 2005

Advent, die Dritte...

Sooo, nach mehrtägiger Abwesenheit wird es Zeit, sich hier mal wieder bloggen zu lassen. Von meinen Erlebnissen beim SWR in Mainz werde ich in den kommenden Tagen ausführlicher berichten. Der heutige Sonntag läßt sich rückblickend in drei Abschnitte einteilen: Teil 1 - Wiedererlangung des Bewusstseins und Verarbeitung der Nachwirkungen der Feier am Vorabend (die Einweihnungsparty von C., leider absolut mütterfrei und daher ohne neue Erkenntnisse verlaufen), Teil 2 - Traditionspflege in Form des jährlichen Zwiebelsuppenessens mit Jugendfreunden (komisch, diese Formulierung macht irgendwie alt...), Teil 3 - Projekt Wintergrippe im Anfangsstadium. Teil 1 und 3 haben leider den Gesamtzustand des Autors derart beeinträchtigt, daß eine ausführliche Schilderung von Teil 2 ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden muss. Frage an die Leserschaft: ist das jetzt die Erfindung des Cliffhangers im Blog? ;-) Schauen Sie wieder rein, es bleibt spannend...

Mittwoch, 7. Dezember 2005

Die Mutter der Selbstbeherrschung

Zu später Stunde sitze ich im Kreise der Lieben beim stark knoblauchhaltigen Abendessen. Es gibt italienische Teigwaren mit reichlich Rotwein. C. will mit uns die bevorstehende Einweihungsfeier für sein frisch renoviertes Loft hier im Hause planen. Er erzählt, daß seine Mutter bedauerlicherweise nicht an der Feier teilnehmen kann. Sehr betrübt sieht er dabei nicht aus. Ich wende ein, daß er sich damit möglicherweise um die einmalige Gelegenheit bringt, seine Frau Mama mal unter Alkoholeinfluss zu erleben. C. wiegelt ab: "Meine Mutter betrinkt sich nicht in meiner Anwesenheit".

Eine spontane Umfrage am Tisch ergibt, daß tatsächlich keiner der Anwesenden je den weiblichen Teil seiner Erzeuger in einer gesellschaftlich peinlichen Situation erlebt hat. Mein Lebensgefährte O. kommentiert dazu trocken: "Wenn Deine Mutter annähernd soviel trinken würde wie Du bräuchte sie ein Dauerabo bei Betty Ford."

Der Autor faßt sich an die eigene rotweingerötete Nase und gelobt halbherzig, bei passender Gelegenheit seinen Alkoholkonsum zu überdenken, schiebt aber angesichts des nahen Jahreswechsels alle guten Vorsätze noch ein wenig auf und greift erneut zum Glas.

War da nicht...
....die Mutter von H., die eines Nachmittags von Ihrem Sohn auf ihr Dauergrinsen angesprochen erwiderte, sie habe doch nur von Früchten aus dem Rumtopf genascht...
...die Mutter von A., die anläßliche einer Premierenfeier für eine 70er-Jahre-Revue den angebotenen SpaceCookies zugesprochen hatte und von den weniger abgehobenen Familienmitgliedern nach Hause geleitet werden musste...
Leider alles nicht selbst erlebt, deshalb zählt es an diesem Abend nicht. Schade.

Es bleibt der Eindruck, daß Mütter in aller Regel darüber erhaben zu sein scheinen, sich vor ihren Sprösslingen eine Blöße zu geben. Ist es also doch weise Vorsehung der Natur, die verhindert, daß der mütterliche Sockel ins Wanken gerät? Vielleicht sollten wir mal bei Freud nachschlagen?

La vie, c'est drole...

Euer Urs Garcon.

Dienstag, 6. Dezember 2005

Happy Nikolaus

So, auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame (an dieser Stelle Dank an Frau Indica aus Berlin) bin ich nun unter die aktiven Blogger gegangen und beschränke mich nicht länger darauf, in anderen Blogs als Kommentator mein Unwesen zu treiben. Als "Kind vom Lande", dessen Herz seit nunmehr 8 Jahren für die Landeshauptstadt schlägt, werde ich in unregelmässigen Abständen aus meinem süddeutschen Exil über die Widrigkeiten des Alltags berichten.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Monsieur Urs Garcon
C'est la vie!

Anneliese Bödecker

Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch. Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen wo man geht und steht - aber mir tun alle Menschen leid, die hier nicht leben können!

Kalauer des Monats

Ich bin innerlich ganz ausser mir! (Feucht u. Fröhlich e.V.)

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Lieber Herr Exilberliner, jetzt...
Lieber Herr Exilberliner, jetzt wird es aber auch mal...
greenfish (Gast) - 15. Jan, 21:04
Prosit Neujahr!
Das hat jetzt rein gar nichts mit deinem oben stehenden...
greenfish - 1. Jan, 22:33
Zwiebelsuppenessen
Vergangenen Sonntag war es wieder soweit: Aus den entlegensten...
Urs Garcon - 15. Dez, 02:37
Ich sehe, Herr Garcon,...
Ich sehe, Herr Garcon, Sie qualifizieren sich immer...
Indica (Gast) - 14. Dez, 16:28
cliffhanger
nun bin ich aber doppelt gespannt auf die geschichten,...
fmü (Gast) - 14. Dez, 11:15

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Zuletzt aktualisiert: 15. Jan, 21:04

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