Die Mutter der Selbstbeherrschung

Zu später Stunde sitze ich im Kreise der Lieben beim stark knoblauchhaltigen Abendessen. Es gibt italienische Teigwaren mit reichlich Rotwein. C. will mit uns die bevorstehende Einweihungsfeier für sein frisch renoviertes Loft hier im Hause planen. Er erzählt, daß seine Mutter bedauerlicherweise nicht an der Feier teilnehmen kann. Sehr betrübt sieht er dabei nicht aus. Ich wende ein, daß er sich damit möglicherweise um die einmalige Gelegenheit bringt, seine Frau Mama mal unter Alkoholeinfluss zu erleben. C. wiegelt ab: "Meine Mutter betrinkt sich nicht in meiner Anwesenheit".

Eine spontane Umfrage am Tisch ergibt, daß tatsächlich keiner der Anwesenden je den weiblichen Teil seiner Erzeuger in einer gesellschaftlich peinlichen Situation erlebt hat. Mein Lebensgefährte O. kommentiert dazu trocken: "Wenn Deine Mutter annähernd soviel trinken würde wie Du bräuchte sie ein Dauerabo bei Betty Ford."

Der Autor faßt sich an die eigene rotweingerötete Nase und gelobt halbherzig, bei passender Gelegenheit seinen Alkoholkonsum zu überdenken, schiebt aber angesichts des nahen Jahreswechsels alle guten Vorsätze noch ein wenig auf und greift erneut zum Glas.

War da nicht...
....die Mutter von H., die eines Nachmittags von Ihrem Sohn auf ihr Dauergrinsen angesprochen erwiderte, sie habe doch nur von Früchten aus dem Rumtopf genascht...
...die Mutter von A., die anläßliche einer Premierenfeier für eine 70er-Jahre-Revue den angebotenen SpaceCookies zugesprochen hatte und von den weniger abgehobenen Familienmitgliedern nach Hause geleitet werden musste...
Leider alles nicht selbst erlebt, deshalb zählt es an diesem Abend nicht. Schade.

Es bleibt der Eindruck, daß Mütter in aller Regel darüber erhaben zu sein scheinen, sich vor ihren Sprösslingen eine Blöße zu geben. Ist es also doch weise Vorsehung der Natur, die verhindert, daß der mütterliche Sockel ins Wanken gerät? Vielleicht sollten wir mal bei Freud nachschlagen?

La vie, c'est drole...

Euer Urs Garcon.
greenfish (Gast) - 8. Dez, 17:19

Hurrah!

Ich gratuliere herzlich. Das ist toll, dass Du nun auch ein Blog hast!

Das ist schon komisch, also meine Mutter hat da nie ein Problem gehabt, sich auch mal ein wenig daneben zu benehmen, auch in meiner Anwesenheit. Von irgendjemand muss ich das ja haben! :-)

Urs Garcon (Gast) - 8. Dez, 18:23

wieso, ich denke, sie hat's noch? dann musst du's wohl von jemand anderem haben :)
aber lass uns mal bei gelegenheit zusammen mit deiner mutter was trinken gehen! kenn da 'nen tollen neuen club ;)
Indica - 9. Dez, 01:33

Juhu! Willkommen im Club der Wahnsinnigen, Erheiterten und Blogomanischen! Geburtstag am Nikolausi, das ist doch was, das merken wir uns alle doch gern... Und der Herr fmü hat doch auch mitgequengelt, oder? Vielleicht überzeugen wir den alle gemeinsam auch noch von den Schönheiten des Selberbloggens?

Ich freue mich auf die beschwipsten und beschwingten Neuigkeiten aus der Provinz. Wir berichten Ihnen dann weiterhin mit gewohntem Vergnügen aus diesem Dorf im Märkischen.

Ich gestehe, ich habe meine Frau Mama auch noch nicht entgleist erlebt, was aber sicher daran liegt, dass sie keinen Alkohol zu sich nimmt und überhaupt eigentlich kein geselliger Mensch ist. Ich bin aus der Art geschlagen, aber immerhin habe ich meinen geselligen Vater, Gott hab ihn selig, sehr vergnügt in größerer Runde erlebt. Zählen Väter auch? ;-)

urs garcon (Gast) - 12. Dez, 00:17

Nein, bei Vätern gehört es zur erzieherischen Aufgabe, sich dem Nachwuchs regelmässig in bierseliger Laune (abends) und Katerstimmung (morgens) zu präsentieren, damit können Sie also leider nicht punkten, liebe Frau Indica ;-)
fmü (Gast) - 9. Dez, 17:46

quengeln...

..., frau indica, liegt nicht in meiner natur, angeblich ja eher zicken, auch wenn ich dem nicht 100-prozentig zustimmen kann.

tja, über meine mutter kann ich hier keine geschichten präsentieren: sie ist vornehmlich mit ihrem klein-zoo, bestehend aus fünf katzen, einem hund und einem pferd (der ziegenbock ist vor kurzem verblichen), zugange. mit tieren kann man sich ja alle verrücktheiten erlauben....und daneben benehmen. vergessen wir dabei nicht, daß es sich meist umgekehrt völlig anders verhält: ein sohn kann es kaum vermeiden, nicht in irgendein fettnäpfchen zu treten und je nach schwere der tat die leichte empörung bis hin zur familienspaltung zu verursachen.

mathematicus - 12. Dez, 12:07

tja, die mütter...

...und gar viele
wollen und können die nabelschnur
nicht kappen...
...man könnt ja gänzlich allein bleiben,
wenn etwa der mann sich vertschüsst hat...
..so bleibt immer noch das kind
als unterpfand einer erloschenen hoffnung...

lg aus wiener neustadt,
werner
http://www.counterhit.de/board/index-11559.html

Anneliese Bödecker

Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch. Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen wo man geht und steht - aber mir tun alle Menschen leid, die hier nicht leben können!

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